 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
 |
|
| Arbeiten von
Bert Breit,
die in direktem
oder
indirektem Bezug zum
Nationalsozialismus
stehen: |
| |
| |
| |
|
|
 |
|

|
|
 |
|
 |
| |
|
|
|
|
|
Bert Breit und der Nationalsozialismus
In einem Interview für die Zeitschrift »Das Fenster«
berichtete Bert Breit im Jahr 1989 über seine Jugend im Nationalsozialismus
Folgendes: |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Die Eltern |
|
|
Mein Vater ist 1938 im März sofort verhaftet und
eingesperrt worden. Ich weiß heute noch nicht, warum. Er hat nie
etwas gesagt. Er ist dann nach einiger Zeit, nach ca. drei Monaten, wiedergekommen.
Sie haben ihn geholt und er ist wieder gebracht worden – und hat
nie ein Wort darüber verloren.
Die Mutter war die Forschere von beiden, der Vater der Ruhigere. In
der Nazizeit hat sie so manchen HJ-Führer einfach hinausgeschmissen:
»Mein Sohn hat für so was kein Interesse.« Es ist nichts
passiert. Der Vater hätte das nicht gemacht, ist aber nie Parteimitglied
gewesen.
Ich war doch ein sehr behütetes Kind. Man hat wohl gehört,
irgendwo haben sie jemanden zusammengeschlagen. Ich habe auch von den
Juden nichts gewusst. Wir haben einen jüdischen Buben in der Volksschule
gehabt, danach hat es offiziell geheißen, er ist weggekommen, er
ist nicht mehr da. Man hat nicht gesagt, wohin er gekommen ist. Erst im
Lauf von Jahren hat man manches geahnt, durch die eigene Anschauung: Die
Ostarbeiter in den Straßen, da hat man gesehen, denen geht es schlecht,
die haben Hunger. Es war selbstverständlich, dass man denen was gegeben
hat. Zum Beispiel, wenn ich Kirschen gepflückt habe. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Schule |
|
|
Bis zur dritten Klasse Gymnasium Vorzugsschüler, ab der Vierten
dann wird's kompliziert. Da habe ich dann wieder einmal Glück gehabt,
so in der Vierten, Fünften. Da hat es den Professor Mair gegeben,
den Widerständler, den »EnglischMair«, der ein hervorragender
Pädagoge war… Der hat einige Schüler bei sich in der Wohnung
versammelt und uns politischen Unterricht erteilt. Man hat ja sonst nichts
erfahren. Von 1938 an ist man ja nur mit einem Radioprogramm und einseitiger
Information versorgt worden. Wohl waren die Eltern nicht für den
Nationalsozialismus, aber sie haben sich auch nicht getraut, eine große
Gegnerschaft in mir aufzubauen. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Professor Franz Mair
|
|
|
Der Professor Mair hat ein paar Jugendliche um sich gesammelt,
zu denen auch ich gehört habe. Der hat uns schon Einiges erklärt.
So ist man überhaupt zum Denken gekommen, alleine hätte man
das nicht geschafft. Man hat ja auch keine Sender gehört. Es stimmt
nicht, dass man nicht gewusst hätte, was damals passiert ist: Man
hat zum Beispiel in Innsbruck sogenannte »Hilfsvölker«
aus der Ukraine durch die Straßen gehen sehen. Sie haben völlig
verhungert ausgesehen. Man wusste, dass sie alle gehungert haben. Man
hat auch von Leuten gewusst, die in KZs umgekommen sind. Ich habe einen
behinderten Freund gehabt, er hat Rudi geheißen, der war auf einmal
verschwunden und seine Eltern haben eine Urne zugesandt bekommen, mit
seiner Asche. Der ist dann aber nach dem Krieg wieder aufgetaucht, offenbar
ist er mit jemanden verwechselt worden. Man hat also schon Hinweise gehabt,
dass etwas Fürchterliches passiert und wenn heute jemand sagt, er
hätte nichts gewusst, so ist das ein Irrtum. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Einen besseren Blick habe ich erst durch den Mair gekriegt,
der zuerst vorsichtig, dann immer deutlicher eine Gegenpartei bezogen
hat. Er ist ja dann selber verhaftet und vor das Volksgericht gestellt
worden. Er ist einer der wenigen gewesen, die da wieder zurückgekommen
sind. Dort hat es ja fast nur Todesurteile gegeben. Er wurde für
vogelfrei erklärt. Wir sind trotzdem immer wieder zu ihm hingegangen,
obwohl auch die Lehrer fürchterlich gegen ihn gehetzt haben: Volksschädling
und Verbrecher. Er hat die Lage prinzipiell erklärt und auch die
Kriegslage, auch Prognosen aufgestellt und gesagt, warum man gegen die
Nationalsozialisten etwas tun muss. Da hat man einiges erfahren. Es sind
ständig Leute aus und ein gegangen, auch Deserteure sind gekommen.
Er hat uns teilweise eingeweiht. Er ist auch beobachtet worden. Aber wir
haben uns eher einen Spaß daraus gemacht, irgendwelche Beobachter
zu pflanzen. Wir sind in der Nacht zu Fleiß herumgegangen, auch
mit ihm. Er war nach diesem Freispruch beim Volksgericht einer, der sehr
viel riskiert hat. Nebenbei habe ich mich für die Musik interessiert,
von der man bei Mair viel hören konnte. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Eines ist noch interessant, was man wenig hört und
was man in den Büchern über den Widerstand auch nie gelesen
habe, es war unglaublich: Ein paar Wochen vor Kriegsende, wo vermutlich
schon viele Innsbrucker gewusst haben, jetzt geht es zu Ende, da sind
plötzlich ganz potente Geschäftsleute, die auch heute noch Rang
und Namen haben, zum Mair mit Geschenken gekommen. Er hat eine ziemlich
große Wohnung gehabt, da waren dann Zimmer voll von Stoffen, Schuhen,
alles Geschenke von Altnazis, um sich's zu richten. Denn es hatte sich
herumgesprochen, nach Kriegsende wird der Mair eine große Rolle
spielen, er wird vielleicht Bürgermeister. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Es gab auch Querverbindungen zu anderen Widerstandsgruppen,
zum Beispiel zu Grünewald. Interessant ist auch, dass es mehrere
Gruppen gegeben hat, die Leuten eine Kriegsdienstuntauglichkeit verschafft
haben, durch Brechen von Knochen zum Beispiel. Das war eine wilde Methode.
Über eine Stiege ist das Bein gelegt worden, und dann haben sie einen
Holzklotz hinauffallen lassen. Dann hat der einen Gips gekriegt und hat
nicht mehr einrücken müssen. Eine andere beliebte Methode war,
auf das Hafelekar zu fahren und sich durch die Karrinne hinunterfallen
zu lassen, um danach sagen zu können, ich habe eine Gehirnerschütterung. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Kriegsende |
|
|
Wie es dem Kriegsende zugegangen ist, hat man erfahren,
dass in Ellbögen ein Geheimsender war; da war ein Franzose abgesprungen,
den ich auch kenne, der hat später dann eine Medaille bekommen. Da
war die Gegnerschaft schon klarer. Ich habe aber dann, ich muss schon
sagen, Glück gehabt, ich bin schwer krank geworden, habe Diphterie
bekommen und im Zuge dieser Diphterie einen Herzfehler. Ich selber bin
mit meinem Herzfehler kurz vor Kriegsende zu einem Arzt gekommen, der
gesagt hat: Dich lassen wir nicht mehr einrücken. Da hast du etwas,
geh nach Haus und nimm das und komm in zwei Stunden wieder. Ich habe dieses
Medikament genommen und habe mich müssen nackt ausziehen, es hat
fürchterlich gebissen, ich habe kratzen müssen, überall,
habe einen richtigen Veitstanz aufgeführt; Nach Stunden bin ich wieder
zum Doktor. Er sagt, du bleibst daheim, du bist nicht tauglich. Das war
ein Monat vor Kriegsende. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Gestapohaft |
|
|
Ich war bei Professor Mair und dem verdanke ich meine
politische Bildung. Er hat uns ein Gegenbild vermittelt. Es gab verschiedene
Aktivitäten, von denen die Gestapo Wind bekommen hat. Dann haben
sie mich selbst noch zehn Tage eingesperrt. Ich habe bei der Freundin
vom Mair ein kleines Zimmer gehabt, von dort hat mich die Gestapo geholt.
Mich hatte die Gestapo nicht gleich gefunden, da haben sie meinen Vater
geholt, bis sie mich verhaftet hatten. Wie ich eingeliefert worden bin,
haben sie den Vater herausgeführt, wir haben uns nur angeschaut im
Hausgang in der Herrengasse. Ich bin in die Herrengasse gekommen, in eine
Zelle. Einer war drinnen, den haben sie bei Verhören die Arme gebrochen.
Ich habe aber eines gewusst: Nichts reden! Ich habe zwei Tage nichts geredet.
Erst dann hat man langsam angefangen: Warum bist du da? usw. Durch das
Zellenfenster hat man pfeifend und singend gewisse Verbindungen aufnehmen
können. Verhöre waren grundsätzlich um vier, fünf
Uhr früh, ich habe mich blöd gestellt. Beim Verhör habe
ich das zugegeben, was gefahrlos war. Das hat oft zwei Stunden gedauert.
Ich habe das Glück gehabt, nicht geschlagen worden zu sein. Ein Amerikaner
hat erzählt, dass sie ihn Wochen vorher umgekehrt aufgehängt
und ihm Wasser in die Nase gegossen haben. Er war kein Spion, sondern
ein Fallschirmspringer aus einem abgeschossenen Flugzeug. Dann sind wir
ins Lager Reichenau gekommen. Dort war großes Heulen und Zähneknirschen,
man ist ganz wild empfangen worden. Da war das Frauengefängnis, und
alle haben entsetzlich unter Hunger gelitten. Der größte Teil
von der Wachmannschaft war schon verschwunden. Einer hat noch Dienst gemacht,
dem Straffreiheit von den Widerständlern zugesichert worden ist,
weil er sie immer anständig behandelt hat. Der hat zwei Tage vor
dem Ende das Lager aufgemacht. Da war ein Lebensmittellager, das ist selbstverständlich
von den Gefangenen gestürmt worden, und ich in meinem blöden
Idealismus habe gedacht, das tue ich nicht. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Die Besetzung des Landhauses 1945 |
|
|
Dann war die Landhausbesetzung in den letzten Kriegstagen.
Da habe ich zum ersten Mal ernsthaft mit Waffen zu tun gehabt. Die Widerstandsbewegung
hat mich allein in das Landhaustor allein in die Meranerstraße gestellt.
Ich musste das Tor bewachen mit einer Pistole und ein paar Handgranaten.
Und ich habe mir gedacht: Hoffentlich kommt niemand, mit dem ich kämpfen
muss. Das war meine Begegnung mit den Waffen. Da ist mir erstmals klar
geworden, was ich tun muss. Unter Umständen hätte ich schießen
müssen, oder wäre erschossen worden; es ist zum Glück niemand
gekommen. Inzwischen sind die Schüsse vorne am Haupttor gefallen,
da hat der Mair die drei Schüsse gekriegt. Ich habe sie nicht einmal
gehört, man hat es mir später gesagt. Ich habe ihn dann nur
mehr am Bett besuchen können. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Der Nationalsozialismus als Thema
Arbeiten von Bert Breit, die in direktem oder indirektem Bezug zum
Nationalsozialismus stehen. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Kompositionen |
|
|
Das Karusell [1967]
Radiophonie
Text: Hannes Stütz
Der Inhalt dieses Stückes befasst sich mit politischen und gesellschaftlichen
Ereignissen, wie sie überall auf der Welt ähnlich vorgekommen
sind und immer noch vorkommen. Der Titel »Das Karusell« deutet
die Gefahr der Wiederholbarkeit dieses Geschehens an. Der Untertitel »Radiophonie«
steht für eine Werkgattung, deren akustische Aussagemittel von der
Rundfunktechnik abhängig und nur mittels der Rundfunktechnik realisiert
werden können. Die Radiophonie I ist ein Beispiel für den Stand
der Rundfunkproduktion im Jahr 1967. Der Sinn des Stückes liegt darin,
darauf hinzuweisen, dass heute mehr denn je politische Wachsamkeit und
Aktivität jedes Staatsbürgers notwendig sind, um gesellschaftliche
Fehlentwicklungen – sie führen zu Krieg, wirtschaftlichen Zusammenbrüchen
– wirksam zu verhindern. Die absichtlich lose Handlung bezieht sich
nur auf Grundsituationen einer Gesellschaftsordnung, die durch Verantwortungslosikeit
in ihren Fundamenten erschütterbar ist. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Impulse – Konzert für Violine und Streicher
[1989]
Widmung von Bert Breit: »Rosa Winter gewidmet, die wie die meisten
ihrer Zigeunerschwestern und -brüder von Staat und Gesellschaft um
ein menschenwürdiges Dasein betrogen wurde.« |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Stationen – Für Violine, Violoncello und Streicher
[1995]
Widmung von Bert Breit: »Den beim Judentreiben 1945 Getriebenen.
Und Jenen, die den Getriebenen zu helfen versucht und geholfen haben.« |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Concerto funebre – Für Bratsche und Streicher
[1997]
Widmung von Bert Breit: »Den Innsbrucker Opfern der Kristallnacht
1938.« |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Radiosendungen |
|
|
Fluchthilfe für jüdische Überlebende 1945
in Tirol [ca. 1985]
Recherchen in Obernberg am Brenner bei Leuten, die nach der Befreiung
1945 jüdischen Überlebenden, die als Displaced Persons u. a.
in Gnadenwald lebten, zur Flucht nach Palästina verholfen haben.
Aus diesen Recherchen wurde keine Sendung, da sich zahlreiche Fluchthelfer
schämten und ihre Namen in der Öffentlichkeit nicht nennen wollten. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Zigeunerleben – Rosa W. zum Beispiel [1993]
Radiosendung über Rosa Winter, die schon im Alter von sieben Jahren
als Zigeunerin im Nationalsozialismus verfolgt wird und als einzige ihrer
Familie das Konzentrationslager Ravensbrück überlebt. Erst in
den 80er Jahren gelingt es – der internationale Druck auf Österreich
und auf den Bundespräsidenten Kurt Waldheim im Besonderen machen
es möglich –, dass Rosa Winter die österreichische Staatsbürgerschaft
erhält.
Rosa Winter: »Wenn ich keine Zigeunerin gewesen wär, wär
ich ja nicht ins KZ gekommen. Ich hab keine Vorstrafen gehabt, gar nichts,
ich war noch ein Kind. Nur wegen der Rasse sind wir hineingekommen, weil
wir Zigeuner sind. Ich glaube, so etwas wie ein KZ könnte es bei
uns nicht mehr geben. Heutzutage würde er nicht lange existieren,
der Hitler. Weil die Leute viel schlauer und intelligenter sind als früher.
Wenn er heute wo eine Rede halten würde, ist er weg. Bringens ihn
um. Auf der Stelle. Vor 1938 waren wir da und dort, im ganzen Österreich
sind wir herumgezogen. Wie dann der Hitler gekommen ist, sind wir in Salzburg
gewesen, meinen Vater habens gleich genommen und nach Dachau gebracht.
Wir haben noch keine Ahnung gehabt, was dort ist. So fünfzehn, sechzehn
Jahre bin ich damals gewesen.
Einmal, in der Früh, sind wir aufgestanden, und der ganze Platz
war umstellt, von der Polizei und von Kriminalisten. Alles aufstehen,
hat es geheißen, und mitgehen, wir kommen weg. Auf Lastautos habens
uns rauf, ganze Familien, die dort gewohnt haben. In Salzburg haben sie
uns auf eine Rennbahn, in Boxen hinein. Wo sonst ein Pferd drinnen ist,
waren wir zwei, drei Familien. Später ist in Maxglan ein Lager aufgemacht
worden. Wieder haben sie die Leute in solche Boxen hinein, familienweise.
Oh Gott, von kreuz und quer sind die Menschen dorthin geschickt worden.
Zusammengesammelt und weiter verschickt. Arbeiten mußten wir dort,
schwere Arbeit, Straßen bauen. Gearbeitet hast du genug, aber Geld
hast keines gekriegt, gar nix, nur einen Haufen Schläg, von den Beamten
genauso wie von manchen Häftlingen.
Im Vergleich mit Ravensbrück war das aber tausend gegen eins. Erstens
war ich mit meinen Eltern und Geschwistern zusammen, und so viele Schikanen
und Methoden hat es in Maxglan noch nicht gegeben. In Ravensbrück
haben alle ganz gleich ausgeschaut. Wie ich angekommen bin, haben ein
paar geschrieen, bist du auch da! Aber ich hab niemand gekannt.
Jede mit einer Glatze, dasselbe gestreifte Gewand, ich hab niemand erkannt.
Die Haar waren ganz weg, so wie auf der Hand. Wenn sie nachgewachsen sind,
sind die Leute freiwillig hingegangen und haben gebeten, abschneiden.
Weil soviele Läuse waren, soviel Ungeziefer, das können Sie
sich nicht vorstellen. Nichts zum Anziehen haben wir gehabt, nur ein Gewand
mit kurze Ärmel, ganz dünn.
Schwer arbeiten haben wir müssen, Straßen bauen. Viel Hunger,
viel Schläge. Und die Kälte. Damals haben sie die Leute noch
nicht bei lebendigem Leib vergast, sie haben sie moralisch umgebracht.
Mit der vielen Arbeit, mit dem vielen Hunger und mit den vielen Schlägen.
So bist du zugrunde gegangen. Und wenn du tot warst, hinein in den Ofen,
nicht einer, immer gleich ein ganzer Haufen. Wenn du eine Vorarbeiterin
gehabt hast, die von den Zigeunern war, hat sie schon gesagt, rastets
euch aus, die hat aufgepaßt, wenn die Beamtin gekommen ist. Aber
im Winter hast freiwillig gearbeitet, so schnell wie möglich, sonst
wärst du erfroren. Kilometersteine haben wir ausgegraben und Pflastersteine.
Normale Arbeit hat es dort keine gegeben. Außer in der Schneiderei
und in der Strohflechterei. Aber wenn Ihnen dort eine Nadel kaputt gegangen
ist, war das Arbeitssabotage, habens dich umgebracht. Nähen hab ich
sowieso nicht können, hab überhaupt keinen Dunst gehabt. Einmal
war ich in der Strohflechterei, Zöpfe aus Stroh haben wir flechten
müssen, für solche Taschen, die man jetzt auch wieder kaufen
kann. Das hab ich nicht zusammengebracht. Mein Stück Brot hab ich
immer anderen Häftlingen gegeben, damit sie für mich die Arbeit
machen. Sonst hätte ich 25 gekriegt! Also hab ich geschaut, daß
ich von dort wieder wegkomm. Viele Zigeuner haben draußen gearbeitet.« |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
»Gott möge sie strafen« – Eine Tochter distanziert
sich [1993/1994]
Recherchen für eine Radiosendung über die Tochter von Alois
Schintlholzer, die sich im Jahre 1989 mit einer Zeitungsannonce in der
Tiroler Tageszeitung von ihrem verstorbenen Vater distanziert hatte.
Alois Schintlholzer wurde am 18. Dezember 1914 in Hötting als Sohn
eines Tapezierers geboren. Der kaufmännische Angestellte, Mitglied
des Deutschen Turnerbundes und des Deutschen Alpenvereins, war in Innsbruck
als Sportboxer sehr bekannt. Er trat er im Juni 1932 der HJ, im Dezember
1932 der SA und ein Jahr später der SS bei. 1937 saß er wegen
seiner illegalen Betätigung für die SS fünf Monate in Untersuchungshaft.
Alois Schintlholzer war in der Pogromnacht am 9. November 1938 an führender
Stelle an der Ermordung von drei jüdischen Bürgern Innsbrucks
beteiligt. Als Angehöriger der Waffen-SS war Schintlholzer am Balkan
im Einsatz, wo die SS am dortigen Ausrottungskrieg maßgeblich beteiligt
war. Zuletzt war er als SS-Sturmbannführer in Südtirol eingesetzt,
wo er nach Kriegsende blieb, um der Justiz zu entgehen. Er wurde von der
italienischen Justiz zweimal in Abwesenheit zu lebenslanger Haft wegen
Beteiligung an einer Vergeltungsaktion der Waffen-SS, bei der der Ort
Caviola niedergebrannt wurde und 40 Menschen ermordet wurden, verurteilt.
In Deutschland (er lebte in Bielefeld unter richtigem Namen) saß
er elf Monate in Untersuchungshaft, ehe das Verfahren eingestellt wurde.
Nach seiner Rückkehr nach Innsbruck wurde zwar bereits 1946 ein Haftbefehl
gegen ihn erlassen, doch wurde er erst 1961 festgenommen. Sein Verfahren
wurde im März 1962 eingestellt. Von seinen Taten während des
Nationalsozialismus hatte er sich niemals distanziert, im Gegenteil.
In der Tiroler Tageszeitung, die schon den Tod des Gauleiters Hofer
beweint hatte, erschienen im Juni 1989 zwei Todesanzeigen für den
SS-Sturmbannführer a.D. Die »Kameradschaft IV, Tirol«
, der Waffen-SS gab »tief erschüttert« bekannt, daß
»unser Kamerad Major a.D. Luis Schintlholzer, Träger des deutschen
Kreuzes in Gold EK I und II, Infanteriesturmabzeichen sowie Nahkampfspange
in Bronze für immer von uns gegangen ist. Wir werden stets seiner
gedenkten. »Seine Ehre hieß Treue.« In der zweiten Todesanzeige,
auf derselben Seite, tat die Witwe kund: »Die Beisetzung ist am
Freitag, dem 23. Juni 1989, um 14 Uhr am Pradler Friedhof. »Seine
Ehre hiess Treue.« Hiess, steht da, schwarz auf weiß, hiess
mit »ss«. Darunter steht noch »Mathilde Schintlholzer,
Gattin, im Namen aller Kinder mit Familien und aller Verwandten.«
Seine Tochter hat, ein paar Tage nach den Todesanzeigen von Witwe und
Kameraden, eine eigene drucken lassen, in derselben Zeitung, im selben
Format, mit folgendem Text:
Die Anzeige zum Tod des ehemaligen SS-Sturmbannführers Luis Schintlholzer
mit dem SS-Treuespruch »Seine Ehre heißt Treue« erschien
zu Unrecht im »Namen aller Kinder mit Familien« . Wir distanzieren
uns mit allem Nachdruck von dieser »Treueerklärung« zu
einer Organisation, die für die NS-Verbrechen verantwortlich ist.
Dr. Eva Schintlholzer-Barrows, John Barrows, Robin Barrows.
Die Kameraden haben getobt und nicht nur die alten Kameraden. Schon
aus ihrem zweiten Namen, haben sie ihr in einer Flut von Briefen geschrieben,
gehe hervor, auf welcher Seite sie stehe, sie werde den Lohn für
ihre Schandtat schon noch erhalten. »Sie hat mich verraten und verkauft«
, seien die letzten Worte des Schintlholzerüber diese Tochter gewesen,
»Gott möge sie strafen« .
Aus den zahlreichen Interviews mit Frau Dr. Schintlholzer-Barrows und
noch lebenden Opfern ihres Vaters hat Bert Breit jedoch keine Radiosendung
gestaltet. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Der Todesmarsch 1945 über die Eisenstraße nach Mauthausen
– Ein steirischer Chronist kämpft gegen das Vergessen [2000]
März/April 1945: Tausende ungarische Juden, die beim Bau des Südostwalls
an der ungarisch-burgenländischen Grenze als Zwangsarbeiter eingesetzt
waren, werden in den letzten Kriegswochen quer durch die damalige Ostmark
nach Mauthausen zur endgültigen Vernichtung getrieben. Einer der
Wege ins Konzentrationslager führte über die steirische Eisenstraße.
Viele Einheimische haben diesen Marsch, auf dem täglich hunderte
Juden erschossen wurden oder vor Hunger, an Erschöpfung, durch Mißhandlung
starben, mitangesehen.
Diese Radiosendung gab den entscheidenden Anstoss dafür, dass heute
am Präbichl ein Denkmal für die dort getöteten Juden steht.
Bert Breits Recherche aus dem Jahr 2000 bildete eine der Grundlagen für
die weitere Erforschung der damaligen Ereignisse und für die Gestaltung
eines Denkmales in Eisenerz, das im Juni 2004, kurz vor seinem Tod, errichtet
und eingeweiht wurde. Dokumentiert wurden die Ergebnisse dieser Spurensuche
im Buch »Todesmarsch Eisenstraße 1945«, das 2005 in
Graz erschienen und Bert Breit gewidmet ist. Und schließlich führte
die Beschäftigung mit dem Vorfall zur Entstehung des Theaterstückes
»Eisenerz Protokolle«, das sich allein auf Gerichtsprotokolle
und Zeitungsausschnitte stützt. Es wurde im Februar 2006 am Grazer
Schauspielhaus uraufgeführt |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
Recherchen zu einer Radiosendung über den Widerstand gegen den
Nationalsozialismus in der Steiermark [2000/2001]
Im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet zum von Deutschland 1941
besetzten Jugoslawien waren in den Jahren 1943 bis 1945 die einzigen bewaffneten
österreichischen Widerstandskämpfer tätig. Viele dieser
Partisanen, die nicht in den Reihen der alliierten Armeen, sondern auf
österreichischem Staatsgebiet gegen Wehrmacht und SS-Einheiten gekämpft
hatten, wurden in der österreichischen Nachkriegsgesellschaft als
»Verräter« stigmatisiert. Mit den wenigen im Jahr 2000
noch Lebenden hat Bert Breit an einer Sendung gearbeitet, die er aus Krankheitsgründen
nicht mehr beenden konnte. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
Filme |
|
|
»Wir waren nicht bereit mitzumachen« [1995]
Verfemt und Vergessen. Über Desertion, Kriegsdienstverweigerung
und Sippenhaft während des Nationalsozialismus in Südtirol.
Ein Dokumentarfilm zu den Erfahrungen von Südtiroler Deserteuren,
die sich ab September 1943 weigerten, in die Wehrmacht einzutreten. Desertion
und Kriegsdienstverweigerung wurde für Südtirol erst in den
1990er Jahren historisch aufgearbeitet und zwar von Leopold Steurer, Martha
Verdorfer und Walther Pichler, deren Buch »Verfolgt, Verfemt, vergessen«
aus dem Jahr 1993 die Grundlage für diesen Film schuf. |
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|