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»Ich weiß es, aber ich weiß nicht warum«
Interview von Othmar Costa mit Bert Breit 2002
Die Form ist keine göttliche Eingebung
Der Autor muß die Realität zensieren;
er muß kraft seiner Einsichten etwas gestalten, was plausibler auf
die Wirklichkeit hinweist,
als sie es selbst aus sich heraus je könnte.
Deshalb ist die Form nicht unwesentlich. (Gisela Elsner)
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Costa: |
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In allen seinen Arbeiten kommt die Leistung des Komponisten
Bert Breit zum Tragen. |
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Breit: |
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Filme und Radiofeatures bedürfen einer Form, die weder Langeweile
aufkommen lässt, noch schnell und oberflächlich über das
Dargestellte hinweggeht. Speziell das Feature kennt keine eindeutig vorgegebene
Form: Jeder Stoff sucht sich seine Gestalt im übertragenen Sinne
selbst, jede Sendung wird »neu geschaffen«. Es gibt keine
allgemeingültigen Schablonen. Ähnlich ist es auch in der Musik.
Da gehöre ich eher zur alten Schule, in der die Geschlossenheit der
Formen wichtig war. Trotzdem ist es außerordentlich schwierig, über
Form zu reden, weil jede Komposition, die man schreibt, eine eigenständige
Form braucht. Wenn man – wie ich es versuche – mit nichtproportionalen
Rhythmen arbeitet, dann ergeben sich bei jedem Stück unter Umständen
gebrochene Formen, die aber – und das ist mir wichtig – das
Ganze zusammenhalten. Ich vermeide Längen jeder Art, ich kenne zu
viele gute Komponisten, die ihren Werken durch Geschwätzigkeit schaden.
Also das Allernotwendigste ist für mich wichtig. Form ist keine göttliche
Eingebung, auch keine mathematisch vorgegebene Größe. Das Erreichen
von Formhaftigkeit erfordert einen wachen Geist, denn Form ist immer in
statu nascendi. Mein Umgang mit Formen ist auch bei der Ausführung
von Gebrauchsmusik geschärft worden – zum Beispiel, wenn ein
Fugato 37 Sekunden dauern darf. |
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Costa:
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Bei Formen ist also Gefühl erlaubt. |
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Breit:
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Das ist bedingt richtig. Mit Gefühl kann man auch Formen prägen.
Mir scheint es aber wichtig zu sein, diese Formen auch intellektuell auf
ihre Überzeugungskraft zu prüfen. |
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Costa:
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Nach diesen allgemeinen Überlegungen zur Form bzw. zur Formwerdung
sollten wir einiges konkretisieren. Zur Form bei Gebrauchsmusik, bei Filmmusik:
Ist da ein Korsett vorgegeben? |
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Breit: |
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Im Prinzip hängt viel vom Regisseur und vom Film selbst ab. Man
wird wegen einer bestimmten Schreibweise engagiert. Rainer Wolffhardt
zum Beispiel, mit dem ich oft zusammengearbeitet habe, ist ein sehr musikalischer
Regisseur. So konnte ich in der Filmmusik konkrete Kleinformen und nicht
Stimmungsmache abliefern. Auch Zweistimmigkeit und Kontrapunktik waren
möglich. Es ging weniger um Signale von Leitmotiven zu bestimmten
Szenen, vielmehr um die musikalische Verarbeitung von Motiven. |
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Costa:
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Gebrauchsmusik bei Filmen, auch bei Hörspielen, muss im Hintergrund
bleiben und ist zeitlich – genau auf die Sekunde – begrenzt.
Gibt es dabei schöpferische Freiheit? |
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Breit:
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Die Musik muss nicht immer im Hintergrund bleiben. Es gibt durchaus
Fälle, wo die Musik ein tragendes Element eines Films, oder eines
Hörspiels sein kann. Manche Filmszenen werden sogar nach der Musik
gemacht. Die Musik führt in diesem Falle Regie. Hörspiele erlauben
mehr Freiheiten, weil Musik auch als Intermedium vorkommt, nicht nur als
Background. Außerdem bietet die Gebrauchsmusik die Möglichkeit
musikalische Formen einzusetzen, die ich sonst niemals verwendet hätte.
Marsch- oder Blasmusik, zum Beispiel, macht es möglich im Film eine
kriegerische Stimmung zu erzeugen, selbst wenn im Bild überhaupt
nichts davon zu sehen ist. In der Gebrauchsmusik sind dem Geschmack und
auch der Geschmacklosigkeit keine Grenzen gesetzt, weil auch Kitsch z.
B. einen Zweck erfüllen kann. Es kann Fälle geben, wo ein Film
oder ein Hörspiel gerade vom Widerspruch zwischen der Musik und dem
Dargestellten bzw. dem Gesehenen profitiert. Das heißt, es gibt
in der Gebrauchsmusik eine schöpferische Freiheit, die es in der
sogenannten absoluten Musik, in der man ja ganz bewusst auf viele Formen
und Stile verzichtet, nicht gibt. |
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Wie entsteht Musik für den Film, für das Hörspiel? |
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Breit:
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Bei Hörspielen arbeitet man sich in das Manuskript ein, dann
folgt die Absprache mit dem Regisseur. Nach der Dreharbeit – mit
den Schauspielern – kommt erst die Feinarbeit, dabei sind auch grundsätzliche
Änderungen vorgekommen. Über allem aber steht die äußerste
Ökonomie: man muss auch mit nur einem Instrument etwas zu sagen haben.
Seit einiger Zeit hat man zusätzlich die Möglichkeit technischer
Modulation von Klangmitteln. Beim Film ist die Vorarbeit meist das Anschauen
des fertig geschnittenen Films, man macht Vorschläge, manchmal geht
der Regisseur darauf ein. |
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Braucht ein Komponist von Gebrauchsmusik eine besondere Auffassungsgabe,
muss er optische Stimmungen erfassen und sie in eine bestimmte Form bringen? |
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Breit: |
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Es geht nicht nur um visuelle Stimmungen. Optische Stimmungen sind
oft etwas sehr Trügerisches, ganz besonders im Film. Die Aufgabe
des Komponisten ist es, oft gegen das unmittelbar Sichtbare zu komponieren.
Die Musik kann – manchmal im Gegensatz zu den Bildern – den
inhaltlichen Hintergrund der Geschichte klären. Beim Komponieren
für den Film oder das Hörspiel hat mich oft dieser Widerspruch
zwischen dem Sichtbaren und dem Hörbaren gereizt. Ich hatte nämlich
das Glück, mit Regisseuren arbeiten zu können, die eben nicht
nur kommentierende, sondern auch eigenständige Musik für ihre
Filme haben wollten. |
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Costa:
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Eingangs hast du gesagt, Form entsteht aus einem bestimmten Tempo,
einer bestimmten Dichte, es gibt keine Form ohne Spannungsbogen. Das sind
subjektive Entscheidungen, das betrifft das Formgefühl, zum Beispiel,
wann ist eine Zeichnung voll, wann ist sie fertig? |
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Breit:
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Ich weiß es, aber ich weiß nicht warum. |
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Costa:
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Du hast öfter den Begriff »Fingerübungen« gebraucht.
Was ist der Unterschied zwischen einer Fingerübung und einer Form? |
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Breit:
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Die Fingerübung ist das Ausprobieren, noch nicht die gültige
Form. Ich bin zwar schon sehr gereift, fühle mich aber nach jeder
vollendeten Arbeit wie einer, der am Anfang ist. |
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Costa:
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Wenn wir über Form reden, dürfen wir deine komponierte Musik
nicht außer Acht lassen. Einige tragen Titel – zum Beispiel
»Impulse«, ein Satz heißt »Gegen den Strom«.
Haben die Titel der Werke etwas mit ihrer Form zu tun? |
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Breit:
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Nein, eher mit den Inhalten. |
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Costa:
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Das Zitat »Gegen den Strom« hat aber auch Bedeutung? |
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Breit:
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Wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle. Ich bin ein bewusst
nicht modischer Komponist, habe aber schon mit der Quelle zu tun. Es geht
mir nicht um Effekte, sondern um Gesetze, die musikimmanent sind. Weder
Einschaltquoten noch Besserwisser aus Musikdirektionen haben Einfluss
auf mein Musikdenken. |
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In deiner Musik spielen Dissonanzen und eine gewisse Gebrochenheit
des Klanges – sagen wir durch Geräusche – eine Rolle.
Wie ist das zu deuten? |
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Breit:
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Ich habe zur Welt der Geräusche eine besondere Beziehung.
Mit Geräuschen kann man elementare musikalische Aussagen machen.
Zum Beispiel bei der Radiophonie Tangenten wurden musikalische Strukturen
mit gesampelten Geräuschen vom Autofriedhof gefüllt. Haimo Wisser
half bei der Beschaffung des Materials und der Realisierung des Projekts.
Es gibt einen direkten musikalischen Zusammenhang zum Violinkonzert Impulse.
Zwischen den Stücken schafft die »vox humana« Kontrast
und gibt dem Ganzen die wesentliche Dimension. Für mich hat sich
die Methode, rhythmische Strukturen des Violinkonzerts mittels Geräuschen
darzustellen, bewährt und ich sehe meine Ansicht bestätigt,
dass der Rhythmus das wesentliche Element der Musik überhaupt ist.
Der Titel »Tangenten« weist darauf hin, dass Geräuschmusik
und »schöne« Musik im überlieferten Sinn Berührungspunkte
haben. |
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Costa:
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Die sogenannte absolute Musik folgt absoluten Formen, es
gibt Rondo- und Liedformen u.a.m., aber es gibt bei vielen Werken Widmungen.
Welche inhaltliche und formale Bedeutung haben diese? |
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Breit:
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Musik hat in den seltensten Fällen etwas Konkretes
zu sagen. Für mich ist es wichtig, auf bestimmte Menschen, die mir
mehr bedeuten als sogenannte »Persönlichkeiten«, mit
meinen Mitteln hinzuweisen: auf einen erschlagenen Unterstandslosen, auf
die Zigeunerin Rosa Winter, die sieben Jahre im KZ Ravensbrück war.
Also auf Leute, die mir mehr bedeuten als zum Beispiel ein Bundeskanzler.
Die Widmungen haben inhaltliche Bedeutung. Für mich sind sie wichtig,
weil ich nicht selten das Gefühl hatte, als musikalisch Schaffender
ohnmächtig zuschauen zu müssen. Außerdem gibt es –
wie in jeder Kunstform – Grenzen des Darstellbaren. Das Überleben
von Rosa Winter im KZ ist nicht komponierbar – wenn es musikalische
Darstellungsmöglichkeiten gäbe, würde sich für mich
die Aufführung dieses Werkes im Rahmen eines Konzerts, bei dem das
Publikum in Anzug und Abendkleid erscheint, einfach verbieten.
Formal hat die Widmung für Rosa Winter insofern eine Bedeutung, dass
z. B. Zitate aus der sogenannten Zigeunermusik für mich nicht in
Frage gekommen sind, schließlich wurde das Leben, zu dem die Sinti
und Roma über Jahrhunderte gezwungen wurden, schon zig Mal musikalisch
verklärt und klischeehaft dargestellt. Die Menschen hat man verfolgt,
vertrieben, eingesperrt und ermordet und die Kultur genossen. |
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Costa:
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Ein großer Teil deiner Arbeit war Radioarbeit. Über
die Radiophonien haben wir gesprochen, noch nicht über die Features.
Wie entstand hier deine Form, die »unverwechselbare Handschrift«
dieser Radiosendung? |
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Breit:
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Features sind Sendungen, die sich neben journalistischer
Sorgfalt und solider Recherche besonders durch dramaturgische Gestaltung
auszeichnen. Sie »leben« einerseits vom Inhalt der Geschichten,
die ich aufgenommen habe, andererseits aber eben auch von der Form wie
die Geschichten erzählt werden. Dabei war mir das Wissen um Spannung
und Rhythmus aus meiner musikalischen Arbeit sehr hilfreich. Wenn man
Menschen in einem Medium – ob Radio oder Fernsehen – nicht
bloß als Objekte der Berichterstattung vorführen will, muss
man besonders die Form wie sie etwas sagen, die Pausen, die Sprechhaltung
und ihre Abschweifungen, ihre »Dissonanzen« berücksichtigen. |
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Es war mein Bestreben, alles Wesentliche von den Befragten
selbst darstellen zu lassen. Zwischentexte gab es kaum und wenn nur knappe.
Zeitfragen – Gegenwart und Vergangenheit – sind zu einer Einheit
geschrumpft, sie haben formbildend mitgewirkt. In meinen Features ist
es immer um bestimmte Personen gegangen, an die ich erst durch intensive
Gespräche herangekommen bin. Es ging um ihre, nicht um meine Wahrheit.
Ich war bemüht, ein persönliches Verhältnis zu den Interviewpartnern
aufzubauen, habe aber die kritische Distanz nie aufgegeben. Die Darstellung
war bestimmt von persönlicher Zuwendung und von kritischem Interesse.
Oft musste ich über ein Thema mehrere Gespräche führen,
weil anfangs das Mikrophon die Partner dazu verführte, geschönte
Lebenslügen zu erzählen. |
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Für das Feature Hedwig und Agnes z. B. hatte ich erst nach rund
33 Stunden Gesprächsaufnahmen mit den beiden Schwestern – hauptsächlich
in ihrer Küche – genug Material, um eine meinen dramaturgischen
Vorstellungen entsprechende Sendung schneiden zu können. Wir haben
lange Gespräche geführt, damit auch die schüchternere der
beiden Schwestern vor dem Mikrophon mit ihrer etwas dominanten Schwester
unbefangen zu sprechen begonnen hat, denn gerade vom Dialog der beiden
lebt die Sendung. |
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Es hat lange gedauert bis die beiden gemerkt haben, dass sie das, was
sie denken auch sagen müssen und nicht nur denken. Dafür waren
viele Fragen und Umwege notwendig. Dass dabei ständig Tee getrunken
und Süßigkeiten gegessen wurden, hat natürlich auch eine
dramaturgische Bedeutung, weil es die oft absurden aber auch tiefen Gedanken
der beiden Schwestern auf eine banale und vordergründige Ebene –
in die Wirklichkeit sozusagen – zurückgeholt hat. Die Aussagen
und die Geschichten der beiden, wie ich sie in der Sendung montiert habe,
wurden niemals in dieser Reihenfolge und oft in ganz unterschiedlichen
Zusammenhängen gemacht bzw. erzählt. Für mich wurde daraus
eine Art Theaterstück, das niemals aufgeführt werden kann, da
der Text unzertrennlich mit den Schwestern Hedwig und Agnes verbunden
ist. |
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